Wieviel Wassersäule sollte ein Zelt haben?

Was bedeutet die Wassersäule beim Zeltkauf?

Empfohlene Wassersäule für das Zelt
Empfohlene Wassersäule für das Zelt

Beim Zelten sollte das Wetter natürlich so schön wie nur möglich sein: Sonnenschein, aber keine stechende Hitze oder auch gerne etwas bewölkt und wohl temperiert. Alles, nur keinen Regen. Manchmal kommt jedoch alles anders, als man es sich erhofft und aus dem herbeigewünschtem Schön-Wetter wird prasselnder Regen. Schlimmstenfalls hält dieses Wetter tagelang an. Nasse Kleidung und ein undichtes Zelt sind der Alptraum aller Camper und lassen einen bereits Zuhause im Trockenen erschaudern. 

Damit dieses Szenario bei Deinem Urlaub mit dem Zelt nicht eintritt, solltest Du beim Zeltkauf auf die sogenannte „Wassersäule“ achten. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff und wie viel Wassersäule sollte ein Zelt haben? Die Antworten auf diese Fragen erhältst Du im folgenden Ratgeber.

Was bedeutet Wassersäule?

Jeder, der bereits ein Zelt gekauft hat, ist wahrscheinlich auf den Begriff „Wassersäule“ gestoßen. Doch nur wenige wissen, was er eigentlich bedeutet.

Die Wassersäule sagt aus, wie wasserdicht bzw. wasserundurchlässig das Zelt ist. Je höher die Wassersäule, desto mehr Widerstand hat die Zeltwand gegen eindringende Feuchtigkeit. Der Wert ist daher eine sehr wichtige Einheit beim Kauf eines Zeltes und sollte keinesfalls übergangen werden.

Um die Wassersäule zu bestimmen, wird ein normierter, hydrostatischer Wasserdruckversuch durchgeführt, indem ein Stück des Zeltstoffes einem Wasserdruck ausgesetzt wird. Um diesen Test durchzuführen, wird ein leerer Wasserzylinder auf dem Zeltstoff aufgelegt. Die Füllmenge in diesem Behälter wird jede Minute um 100 mm vergrößert.

Werden nun auf der anderen Seite der Zeltwand Tropfen oder Flüssigkeit sichtbar, ist die maximale Wassersäule erreicht und der Wert als Richtwert für die Wasserfestigkeit übernommen.

Wassersäule Zelt Norm DIN-EN-20811-1992
Wassersäule Zelt Norm DIN-EN-20811-1992

Ein Zelt mit einer Wassersäule von 3.000 mm hält dicht, wenn eine drei Meter hohe Wassersäule darauf lastet und Druck ausübt. Ist die Füllmenge höher, würde das Wasser ins Innere eindringen. Laut Definition ist ein Zelt ab einer Wassersäule von 1500 mm wirklich wasserdicht. Viele Hersteller bezeichnen Ihre Produkte aber schon ab einer Wassersäule von ca 800 mm als dicht. Bei dieser Angabe ist Vorsicht geboten: Einem kurzen Schauer oder ein wenig Getröpfel kann sich ein solches Exemplar durchaus entgegensetzen, nicht jedoch einem ordentlichen Regenguss oder gar mehrere Regentage.

Gemäß der EU DIN ISO 10966 ist ein Zeltstoff schon ab einem Wert von 1500 mm als wasserdicht anzusehen. Allerdings sagt diese Angabe nichts darüber aus unter wie viel Druck das Wasser auf den Stoff gepresst wird und vor allem nicht wie es mit der Langzeitbelastung aussieht.

Jeder der schon einmal ein paar Tage beim Camping einen längeren Regenzeitraum erlebt hat, weiß vermutlich, dass man sich nicht auf die minimale Lösung verlassen sollte. Bei einem kräftigen, langanhaltenden Regen oder mehreren Tagen Schauerwetter ist auch ein Zelt mit einer Wassersäule von 1500 mm bald an seinen Grenzen angelangt.

Auch in der Praxis sind die Angaben der Hersteller immer mit einer gewissen Portion Vorsicht zu genießen. Jedes Zelt hat zudem auch noch andere Schwachstellen, an denen Feuchtigkeit eindringen kann. Insbesondere die Nähte sowie der Zeltboden können ebenfalls für ein feuchtes Zelt verantwortlich sein.

Lassen Sie sich aus diesem Grund von der Bezeichnung „wasserdicht“ nicht in die Irre führen. Zwischen „wasserdicht“ und wirklich „wasserdicht“ existieren nämlich teil gravierende Unterschiede. Unsere Beispiele verdeutlichen das:

Beispiele für Wasserdichtigkeitswerte nach verschiedenen Regelungen

Wassersäule Norm
800 mm EU Norm EN 343:2003 Regenbekleidung (Wasserdicht Klasse 2)
1.300 mm EU Norm EN 343:2003 Regenbekleidung (Wasserdicht Klasse 3)
1.500 mm DIN ISO 10966 Zeltstoff ist wasserdicht
2.000 mm DIN ISO 10966 Zeltboden ist wasserdicht
4.800 mm Norm EN 343:2003 Wasserdicht auf feuchtem Untergrund beim Sitzen und Knieen
20.000 mm Norm EN 343:2003 Wasserdicht für Outdoorkleidung für Segler und Bergsteiger

 

Wie viel Wassersäule sollte ein Zelt haben?

Das richtige Zelt hält bei Wasser und Wind sehr dicht und bietet Dir einen trockenen Unterschlupf. Nylon und Polyester-Stoffe müssen – um wirklich wasserdicht zu sein – beschichtet werden. Bei hochwertigen Zelten kommen Beschichtungen aus Polyurethan oder Silikon zum Einsatz. Dadurch kann eine sehr hohe Wasserdichtigkeit erreicht werden. Bleibt die Frage, wie viel Wassersäule ein Zeit haben sollte:

Ab einem Wassersäule-Wert von 1300 bis 1500 mm gelten Zelte offiziell als wasserdicht. Dennoch empfiehlt es sich, höhere Werte zu bevorzugen. Mit dem Ermittlungsverfahren wird lediglich eine theoretische Dichtigkeit ermittelt.

Empfohlene Wassersäule für das Zelt
Empfohlene Wassersäule für das Zelt

Die angegebene Wassersäule kann bei einem hohen Wasserdruck von außen wie einem heftigen Gewitter mit starkem Regenguss oder mehreren Regentagen überschritten werden. Das sollte tunlichst nicht der Fall sein, denn wer möchte schon frierend und mit nasser Kleidung mitten im Nirgendwo im Zelt liegen?

Ideal sind Werte von 3.000 bis 5.000 mm Wassersäule an den Außenwänden sowie 8.000 bis 10.000 mm am Boden.

Die genannten Werte stellen einen idealen Schutz vor Nässe dar. Wenn man an die Dichtigkeit von Zelten denkt, zieht meist sofort ein undichtes Zeltdach am geistigen Auge vorbei. Die Bodenplane jedoch, auf der man sitzt, kniet und liegt, solltest Du nicht unterschätzen, da auf den Boden eine viel größere Kraft ausgeübt wird als auf die Zeltwände.

Beim Sitzen oder Knien lastet der Druck Deines Körpergewichts auf einer sehr kleinen Fläche. Der Wassersäule-Wert sollte daher im Bereich des Bodens höher sein, damit das Zelt auch bei einer größeren Belastung wasserdicht ist. Auch der Boden sollte in jedem Fall vor dem Aufschlagen des Zeltes überprüft werden. Spitze Gegenstände können die Zeltplane empfindlich schädigen.

Ein nasses Zelt ist der Alptraum jeden Campers

Stell Dir vor, Du liegst in Deinem Zelt und die Nässe schleicht sich erst durch Deine Isomatte und anschließend durch Deine Schlafkleidung. Keine heiße Badewanne in Sicht, keine Gelegenheit, trocken und warm zu werden? Ein Alptraum! Worauf also noch achten, um buchstäblich auf dem Trockenen sitzen zu bleiben?

  • Hochwertiger Zeltboden, eventuell mit einem extra Unterboden unter dem Zelt
  • Material von Außen- und Innenzelt sowie Zeltboden
  • Art der Beschichtung (Imprägnierung)
  • Qualität der Nähte

 

Stefan Woidig - CC BY 2.0
Stefan Woidig – CC BY 2.0

Die Region, in der gezeltet wird, berücksichtigen

Vor dem Kauf des Zeltes solltest Du Dir genau überlegen, wo Du es einsetzen möchtest. In vielen Gegenden kannst Du bereits im Vorfeld einschätzen, ob Du schwachem oder starkem Regen ausgesetzt sein wirst.

Planst Du beispielsweise im Regenwald zu zelten, solltest Du auf eine möglichst hohe Wassersäule achten, während sie in der Wüste niedriger sein kann. Der Markt bietet auch Zelte mit einer Wassersäule, die auch sehr extremen Wetterbedingungen standhalten. Natürlich gibt es solche Zelte nicht für kleines Geld und schon gar nicht beim Discounter um die Ecke.

Es gibt einige Länder innerhalb Europas, die deutlich rauerem Klima ausgesetzt sind, als wir es in Deutschland gewohnt sind. Zeltest Du beispielsweise in England oder Irland, ist die Chance, einen oder mehrere Regentage in Kauf nehmen zu müssen, bedeutend höher als bei uns. Dafür wirst Du mit herrlicher Landschaft und sattem Grün belohnt.

Achte zudem auf eine Atmungsaktivität des Materials und ein vernünftiges Belüftungssystem. Luftdurchlässe im oberen Teil des Zeltes sorgen für genügend Luftaustausch. Dadurch kannst Du tropfendes, störendes Kondenswasser vermeiden.

Theo Crazzolara - CC BY 2.0
Theo Crazzolara – CC BY 2.0

Weitere Tipps, um die Wasserdichtigkeit zu erhalten oder zu erhöhen

Gute Verarbeitung und Innenzelt

Achte beim Kauf neben der Wassersäule zudem auf wasserdichte Nähte. Sie sind das A und O, wenn es um die Dichtigkeit geht, da über die Nähte nicht unwesentlich viel Nass ins Innere gelangen kann. Sind die Nähte im Laufe der Zeit undicht geworden, kannst Du sie eventuell mit einem Nahtversiegler (auch Nahtkleber genannt) verbessern. Ein Innenzelt schützt ebenso vor eindringender Feuchtigkeit.

Prüfe die Nähe in regelmäßigen Abständen, gerade dann, wenn Dein Zelt schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Lieber vorsorgen, als vor Ort mühsam nachzubessern.

Passenden Untergrund wählen

Du solltest es nach Möglichkeit nicht auf einem feuchten Untergrund platzieren. Ein leicht abschüssiges Gelände ist ideal, denn hier kann das Wasser abfließen.

Vermeide es, Dein Zelt in der direkten Nähe von Flüssen zu platzieren, da sie bei starkem Regen sehr schnell ansteigen können und Du eventuell plötzlich im Wasser liegst. Eine Zeltunterlage oder Plane können die Wasserfestigkeit verbessern. Sie schützen den Boden vor Nässe, aber auch vor Schmutz und einer Beschädigung, beispielsweise durch spitze Gegenstände.

Zelt pflegen

Mit der richtigen Pflege sorgst Du dafür, dass der Wert der Wassersäule dauerhaft stabil bleibt und Du lange Freude an Deinem Zelt hast. Durch einen Imprägnierschutz kannst Du die Eigenschaften des Stoffes verbessern und somit die Lebensdauer des Zeltes verlängern.

Dank der Imprägnierung kann das Wasser bei Regen schneller von der Oberfläche abfließen. Die auftreffende Feuchtigkeit hält sich nicht darauf, sodass sie sofort abperlt. Der Zeltstoff saugt sich dadurch nicht mit Wasser voll. Das Material bleibt nicht nur leicht, sondern es trocknet zudem nach dem Regen schneller als ein Stoff, der mit Wasser voll gesogen und durchtränkt ist. Auch Schmutz dringt durch eine Imprägnierung schlechter in das Gewebe ein.

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Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2020 um 21:56 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.  

 

Bild: Photos – Pixabay.com – CC0 Public Domain
Tipi Zelte Bild: Photos – Pixabay.com – CC0 Public Domain

Fazit

Zelten lässt uns nostalgisch an unsere Kindheit zurückdenken, sorgt für ein herrliches Gefühl der vollständigen Freiheit und hat noch immer etwas Wildes in unserer durchgeplanten und schnelllebigen Zeit. Kein Wunder also, dass es uns noch immer begeistert und wir oft sehnsüchtig an den letzten Urlaub im Zelt zurückdenken.

Gleichermaßen bereitet uns jedoch tagelanges Regenwetter oder heftige Unwetter bei dem Gedanken an einen Zelturlaub enormes Unbehagen. Ganz absagen oder verschieben? Doch wer garantiert einem dann gutes Wetter und eitlen Sonnenschein?

Mit dem richtigen Zelt können Euch auch Regentage nicht die Stimmung vermiesen. Im Gegenteil: Unter dem Zeltdach zu liegen und den Regen zuzuhören ist wunderschön, entspannend und etwas, das viele nur noch aus ihrer Kindheit kennen.

Die Wassersäule ist ein sehr wichtiger Wert, den Du beim Kauf Deines Zeltes unbedingt beachten solltest. Sie sollte mindestens 3.000 mm am der Zeltwand und ca 8.000 mm am Boden betragen. Achte daneben auf das Material, die Beschichtung und Verarbeitung. Damit ist die Grundvoraussetzung für trockene Füße gegeben. Doch auch weitere Faktoren sind nicht ganz unwichtig:

Ein geeigneter Platz zum Aufbauen Deines Zeltes ist ebenfalls entscheidend, ob Dein Urlaub zum Vergnügen oder zum echt Wildnis-Abenteuer  samt kaltem Badevergnügen wird. Stelle das Zelt leicht abschüssig auf, damit Regenwasser abfließen kann. Verwende am besten eine Zeltunterlage, da sie doppelten Schutz bietet, nicht nur vor Nässe, sondern auch vor einer Abnutzung des Zeltbodens bzw. spitzen Gegenständen, die Deinen Zeltboden schaden können.

Erneuere zudem die Imprägnierung von Zeit zu Zeit, denn selbige lässt nach einer längeren Nutzungsdauer des Zeltes nach. Um zu prüfen, ob das Zelt imprägniert werden muss, gießt Du auf den Stoff etwas Wasser. Perlt es nach dem Auftreffen sofort ab, ist der Imprägnierschutz noch intakt. Fließt es nur schlecht ab, solltest Du ihn erneuern.

Klar ist, dass es wirklich wasserdichte Zelte nicht zum Nulltarif zu kaufen gibt. Wenn Du öfter zelten gehen möchtest oder Du Gegenden wählst, in denen die Witterung rau ist und oft Niederschläge auftreten, solltest Du also nicht an der falschen Stelle sparen. Zelten in Skandinavien, Irland, England oder anderen Gegenden mit vielen Niederschlägen oder rauerem Klima ist ein großes Vergnügen – aber eben nur mit dem richtigen Equipment. Mach Dich doch einfach mal im Bekanntenkreis schlau und höre bzw. lese Dir Erfahrungsberichte und Testergebnisse durch, bevor Du zur Tat schreitest und Dir Dein Zelt kaufst. Dann kann beinahe nichts schief gehen.

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2 Kommentare

  1. Bekannte hatten sich für den Urlaub ein Zelt bei einem Zeltverleih besorgt. Sie hatten sich beraten lassen, welches Zelt ihren Bedürfnissen gerecht wird. So konnten sie ein Zelt auswählen, dass in Punkto Wassersäule recht gut abschneidet.

  2. Mein Bruder hatte im letzten Sommer das erst Mal mit der Familie einen Campingurlaub mit großem Zelt gemacht. Da es ja kaum geregnet hatte war zum Glück das günstige Zelt mit 2000 mm Wassersäule ausreichend. Da wir uns nun auch ein kaufen wollten, sind die Infos in diesem Artikel – vor allem zu den Waserdichtigkeitswerten – sehr hilfreich. Gelten diese Werde eigentlich auch für Lagerzelte? So eins brauchen wir nämlich für eine Veranstaltung.

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