Tiny Houses – Wohnen und Leben im Minihaus

Tiny Houses – Mini-Häuser

Was ist ein Tiny House?

Den Begriff “Tiny House” hört man seit geraumer Zeit verhältnismäßig häufig. Doch was ist überhaupt ein Tiny House? Und was hat es mit dem oft kommunizierten „Tiny House Movement“ auf sich?

Beide Begriffe stammen aus den USA und kennzeichnen eine Bewegung (Movement), die sich stetig wachsender Beliebtheit erfreut. „Tiny“ bedeutet so viel wie „winzig“ oder „sehr klein“, das englische Wort „House“ steht für das deutsche Wort „Haus“. Ein Tiny House ist also nichts anderes als ein winziges Häuschen. Die Bewegung möchte sich dem Trend zum immer größeren Bauen bewusst entgegensetzen und propagiert das Leben auf kleinem Fuß, bei dem es einem dennoch an nichts fehlen muss.

Warum ein Tiny House?

Auch in Deutschland ist der Trend zum großen Bauen ungebrochen. Leider, denn das Leben in großen Häusern, von denen meist nur wenige Zimmer ernsthaft genutzt werden, bedeutet auch, einen großen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. Der Flächenverbrauch bei uns in Deutschland ist enorm, durch das Bauen wird viel Natur zerstört und Flächen versiegelt. Zeitgleich steigt mit der Größe des Hauses natürlich auch dessen Energieverbrauch. Ortschaften werden durch immer neu erschlossene Baugebiete auf auseinander gerissen, Leerstände im Ortskern machen selbigen nicht mehr lebenswert, während die Ortsränder ausfransen.

Warum also Zimmer heizen, die man nicht oder kaum braucht? Warum Räume von Staub reinigen und Fenster putzen, durch die man an 280 Tagen im Jahr nicht blickt? Warum überhaupt einen riesigen Palast auf die grüne Wiese setzen, den man im besten Fall sein Leben lang bewohnt – im Zweifel im Alter alleine oder nur noch mit seinem Partner, wenn die Kinder längst ausgezogen sind.

Stellt man sich selbst die Frage, wie groß ein Einfamilienhaus denn ausfallen muss, damit man glücklich und komfortabel darin leben kann, lässt sich sicherlich nicht für jeden aus dem Stegreif beantworten. Muss es ein Ankleideraum wirklich sein? Braucht man wirklich ein separates Arbeitszimmer oder tut es der Laptop am Schreibtisch im Wohnzimmer nicht auch? Wie oft kommen Gäste, damit sich das ständige Heizen und Reinigen des Gästezimmers lohnt?

Die Tiny-House-Bewegung hat genau diese Gedanken aufgenommen und versucht, Minimalismus zu leben. Ein kleines bzw. winziges Haus bedeutet, nicht bis zum Renteneintritt Tilgungen für seinen Kredit leisten zu müssen, es bedeutet auch, sehr geringe laufende Kosten zum Wohnen bezahlen zu müssen. Ein Tiny House bedeutet auch, mehr Freiheiten zu genießen und seinen ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten.

Manche der Tiny Houses sind nicht nur winzig klein und bieten dennoch viel Komfort, sie können sogar als Anhänger genutzt und von A nach B gefahren werden. Damit ist dem Bewohner die Freiheit geschenkt, sich in seinem Wohnort je nach Lebenssituation völlig unkompliziert zu verändern. Ein tolles Gefühl!

Ein Tiny House bietet viele Vorteile

Wir haben nun bereits viel über die Nachteile eines großen Hauses und über die Vorteile eines kleinen bzw. winzigen Häuschens gehört. Hier noch einmal die Vorteile des Tiny House auf einem Blick:

  • Nachhaltigkeit und Umweltschutz
  • Geld sparen
  • Flexibilität
  • Arbeitsreduzierung
  • Befreiend: Abwerfen von Ballast

Man sollte meinen, dass die genannten Vorzüge ausreichen sollten, um aus der Tiny House Bewegung einen regelrechten Hype entstehen zu lassen. Wer von der jüngeren Generation möchte sich schon jahrzehntelang an ein Haus mit allen damit verbundenen Nachteilen wie horrende Kredite,  fehlende Flexibilität und jede Menge Arbeit binden?

Leider ist das Gegenteil der Fall: Die Mini-Häuser erfahren bei uns in Deutschland  keinen Hype – gerade in Zeiten des Immobilien-Booms. Warum ist das so? Grundstücke sind bei uns in Deutschland – allem voran in Ballungsgebieten – beinahe unerschwinglich und so rar gesät, dass man sich oft jahrelang im Voraus auf das rare Gut bewerben muss. 

Weiterhin muss man sich – genau wie bei allen Bauten, die fest im Erdboden verankert sind – auch beim Erwerb und Bau eines Tiny House eine Baugenehmigung einholen. Sie müssen diesen Bauantrag bei Ihrer zuständigen Behörde einreichen; ganz egal, wo Sie das Häuschen hinstellen möchten. Ein fahrbares Tiny House einfach auf der grünen Wiese abstellen und darin wohnen? In Deutschland Fehlanzeige.

Wenngleich sich die einzuhaltenden Regeln in Sachen Baugenehmigungen von Bundesland zu Bundesland zum Teil deutlich unterscheiden, muss gesagt werden, dass es hierzulande für beinahe alles eine Genehmigung braucht. Aus diesem Grund hat das Tiny House in den USA eine deutlich größere Fan-Gemeinde. Bei winzigen Häuschen muss in Amerika keine Genehmigung eingeholt werden. 

Es muss nicht immer riesig sein: Auch auf kleinem Raum lässt es sich gut leben. Bildquelle: pixabay – larsen9236

Kann der Antrag auch verweigert werden?

Ja, ein Bauantrag kann durchaus auch verweigert werden – nicht aber, weil Sie Ihr Häuschen zu klein geplant haben. Zu beachten ist, ob für das Gebiet bereits ein Bebauungsplan existiert. In diesem Fall müssen Sie dessen Vorgaben einhalten. Existiert keiner, ist sich nach der umliegenden Bebauung zu richten. So kann einem beispielsweise die Art des Daches, die Farbe der Ziegel usw. auferlegt werden.

Wer Enttäuschungen oder böse Überraschungen vermeiden möchte, sollte vor dem Grundstückserwerb eine Bauvoranfrage stellen. Diese ist deutlich kostengünstiger als der Bauantrag selbst und gibt Aufschluss darüber, ob Sie Ihren Traum vom Haus an diesem Platz verwirklichen können.

Grundstücke sind rar gesät

Seit geraumer Zeit erfahren wir in Deutschland einen regelrechten Immobilienboom. Grundstücke gehen weg wie warme Semmeln; gerade im Innenstadtbereich sind kaum noch welche zu bekommen und wenn doch, dann für schier unbezahlbare Summen. Vielleicht ist es möglich, dass Sie sich Ihr Wunschgrundstück mit anderen Tiny-House-Besitzern teilen? So können womöglich viele kleine Häuschen auf einem großen Grundstück Ihren Platz finden. 

Sperren Sie Ohren und Augen auf und hören Sie sich im Bekanntenkreis um, wenn Ihnen ein Grundstück besonders zusagt. Beim Grundbuchamt können Sie Auskunft einholen, wer der Besitzer des Objekts Ihrer Begierde ist. Hier ist jede Menge Eigeninitiative gefragt; doch wer am Ball bleibt, wird wahrscheinlich früher oder später mit einer tollen Bebauungsfläche belohnt werden.

Auch wenn Sie in Ihrer Stadt womöglich kein passendes Grundstück finden oder alles schlichtweg zu teuer ist: Es lohnt sich allemal, sich auch außerhalb der gewohnten Umgebung umzuschauen. Manchmal liegt das Gute auch etwas weiter weg.

Von Wiesen, Wäldern und Schrebergärten

Wer sich jetzt denkt “Dann stelle ich mein Häuschen eben in den Wald” wird sicherlich nicht lange damit glücklich sein. Selbstverständlich sind Preise für Freizeitgrundstücke oder landwirtschaftliche Flächen im Vergleich zu Bauland wesentlich niedriger. Dennoch ist auch hier immer eine Genehmigung notwendig. Ähnlich verhält es sich mit dem Gedanken: „Wenn mein Häuschen Räder hat, kann ich es auch überall abstellen“. Auch hier sitzen Sie einem Irrtum auf. Wohnmobile oder Wohnwägen haben auch Räder, werden ebenfalls nicht fest mit dem Boden verbunden und dürfen dennoch nicht überall, wo es einem beliebt, abgestellt werden. 

Es ist daher wichtig, sich vorab zu informieren, damit der Traum vom Tiny House nicht schnell wieder ausgeträumt ist: Alles rund ums Rechtliche in Sachen Tiny House lesen Sie hier in unserem Beitrag.

Etwas anders als eingangs erwähnt, verhält sich die Sache in einer Schrebergartensiedlung. Hier entscheidet nicht die Behörde, sondern die Kleingartengemeinschaft. Wird Ihr Antrag hier durchgewunken, ist kein weiterer Bauantrag bei der Behörde notwendig. Doch Vorsicht! Bevor Sie Ihr Augenmerk auf ein Kleingartengrundstück legen, sei Ihnen gesagt, dass es dort nicht möglich ist, einen Erstwohnsitz anzumelden.



Tiny House in Blockhaus-Optik. Bildquelle: Pixabay – Tappancs –

Der Bauantrag

Endlich haben Sie Ihr Grundstück gefunden. Wie geht es nun weiter? Trotz eingereichter Bauvoranfrage ist es notwendig, nun einen offiziellen Bauantrag zu stellen. Dieser beinhaltet alle Pläne (Lageplan, Grundriss, Wärmeschutz usw.) und darf nicht von Ihnen als Privatperson erstellt werden. Hierzu ist ein Fachmann notwendig.

Vorsichtsmaßnahme: Erst den Bauantrag stellen und dann das Grundstück kaufen; das ist einerseits möglich und spart Ihnen im Zweifelsfall jede Menge Geld.

Unterschied: Tiny Houses und Zirkus-/Schäferwägen

Gut zu wissen: Wenn Sie statt einem Mini-Haus ein auf einem Anhänger untergebrachtes Häuschen kaufen möchten (siehe Zirkuswägen, Schäferwägen usw.) gelten wieder völlig andere Regeln: Hier greift nicht zwangsläufig das Baurecht, aber in jedem Fall das Straßenverkehrsrecht. Unbedingt Erkundigungen bei der zuständigen Behörde einholen und dennoch nicht nach Belieben auf der grünen Wiese abstellen. 

Tiny Houses: (Beinahe) alles ist möglich

Langsam haben sich die Vorteile der schicken kleinen Häuschen weltweit herumgesprochen. Auch auf dem deutschen Markt gibt es mittlerweile jede Menge namhafter Hersteller. Ob ganz aus Holz, in Blockhausoptik, in skandinavischer Ausführung, ökologisch mit Photovoltaikanlage, perfekter Wärmedämmung etc. – es gibt beinahe nichts, das nicht machbar wäre.

Auch in Sachen Größe und Transportmöglichkeit sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Der Markt bietet transportable Häuschen mit rund acht m² als auch fest verbaute Häuschen für Familien mit rund 75 m². 

Tiny Houses – Die Preise

So vielfältig die Mini-Häuser, so vielfältig der Preis. Das Preissegment beginnt bei rund 20.000 Euro und reicht bis weit über 100.000 Euro. Wie immer sind nach oben kaum Grenzen gesetzt. Wer es luxuriöser möchte, zahlt selbstverständlich mehr. 

Tiny Houses sind bereits ab 20.000 Euro erhältlich. Bildquelle: pixabay – Alexas_Fotos

Unterschied mobile Tiny Houses und fahrbare Häuschen

Der Übergang zwischen einem transportablen Tiny House – also einem Mini-Haus – und einem Haus auf Rädern (wie Zirkuswägen, Schäferwägen, Bauwägen aber auch Wohnmobilen) ist einfach erklärt.

Während die Tiny Houses fest mit dem Boden verbunden werden und zur Errichtung in jedem Fall eine Baugenehmigung von Nöten ist, müssen Sie sich für das Leben im Wagen bei Ihrer zuständigen Behörde Erkundigung einholen, welche Gebäude einer Baugenehmigung bedürfen und welche nicht. Transportable Wägen unterliegen in jedem Fall der Straßenverkehrsordnung, müssen daher also sicher und geprüft sein.

Es sei nur so viel gesagt: Die Errichtung eines Tiny House gestaltet sich in Deutschland einfacher als das Leben im Wagen, das im Regelfall nur dem fahrenden Volk vorbehalten ist. Bevor man sich seinen schnuckeligen Schäferwagen also mitten ins Nirgendwo stellt, vorab unbedingt Erkundigungen einholen, damit der Traum nicht über Nacht zerplatzt.

Wir hoffen, wir haben Sie ob all der Bürokratie in unserem Land nicht entmutigt, Ihren Traum vom eigenen Tiny House zu leben. Es wäre sehr schade, wenn Sie sich von geltenden Vorschriften abbringen lassen würden, denn nur weil das Tiny House in Deutschland zum jetztigen Zeitpunkt noch ein Nischenprodukt ist, muss es nicht zu bleiben. Gerade in Zeiten des Klimawandels, einer sich ständig schneller drehenden Welt, mehr Verlangen nach Flexibilität und Nachhaltigkeit muss das Bewusstsein reifen, dass man auch auf kleinerem Fuß glücklich und bedeutend nachhaltiger leben kann.

Bildquelle Beitragsbild: Mini Häuser – pixabay – Barni1

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